Textqualität

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Überlieferung

Druck 1
Arthur Schnitzler: Brief an den Herausgeber der »Russkije wedomosti«. In: Russkije wedomosti, 28. 8. 1908 [= 10. 9. 1908], S. 2.

Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Schnitzler: Brief an den Herausgeber der »Russkije wedomosti«, 10. 9. 1908. In: Arthur Schnitzler: »Das Zeitlose ist von kürzester Dauer«. Interviews, Meinungen, Proteste. Hg. Martin Anton Müller. Digitale Edition, 2024, https://schnitzler-interviews.acdh.oeaw.ac.at/M181.html (Abfrage 13. 7. 2026)
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Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Textnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »M181«.

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Chronik

Donnerstag, 10. 9. 1908

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Schnitzler: Brief an den Herausgeber der »Russkije wedomosti«, 10. 9. 1908

Письмо къ редактору »Русскихъ Вѣдомостей«.
Brief an den Herausgeber der »Russkije wedomosti«
(Переводъ съ нѣмецкаго).
(Übersetzung aus dem Deutschen).
Многоуважаемый господинъ редакторъ!
Sehr geehrter Herr Redakteur!
Вы просите меня написать нѣсколько строкъ по поводу 80-тилѣтія Толстого. Избавьте мепя отъ обязанности выражать въ панегирическомъ стилѣ то, что само собой разумѣется. Это вѣдь не можетъ ничего прибавить къ его славѣ. Много сильнѣе во мнѣ въ настоящее время потребность высказать удивленіе по поводу того прискорбнаго духа нетерпимости, который какъ будто все еще (или же снова) преслѣдуетъ распространителей и даже, — чему трудно повѣрить,—отдѣльныхъ читателей произведеній Толстого. Однако это—далеко не единственный случай, когда сильнымъ міра сего не хватало мужества принимать мѣры противъ слишкомъ широко извѣстнаго духовнаго вождя, за котораго призывались къ отвѣту неизвѣстные его послѣдователи. Въ этотъ юбилейный день мнѣ думается я лучше всего выскажу свое глубокое уваженіе къ Толстому, если выражу чувство участія къ тѣмъ неизвѣстнымъ, которымъ приходится переживать много тяжелаго тя-I желаго въ то время, какъ на ихъ темный путь падаетъ лишь слабый п скоро погасающій отблескъ безсмертной славы ихъ учителя.
Sie bitten mich, ein paar Zeilen zu Tolstois 80. Geburtstag zu schreiben. Ersparen Sie mir bitte die Pflicht, mich im panegyrischen Stil darüber auszudrücken, was sich von selbst versteht. Dies kann doch nichts zu seinem Ruhm beitragen. In mir wiegt jetzt viel stärker das Bedürfnis, mein Erstaunen über den bedauerlichen Geist der Intoleranz zum Ausdruck zu bringen, der noch immer die Verbreiter und sogar – es ist schwer zu glauben – die einzelnen Leser von Tolstois Werken zu verfolgen scheint. Es ist jedoch bei weitem nicht der einzige Fall, in dem den Machthabern der Mut fehlte, gegen einen zu bekannten geistlichen Führer vorzugehen, und stattdessen wurden seine namenlosen Anhänger zur Rechenschaft gezogen. An diesem Tag des Jubiläums denke ich, dass ich meine tiefe Wertschätzung für Tolstoi am besten zum Ausdruck bringe, wenn ich mein Mitgefühl für die Unbekannten ans Tageslicht kommen lasse, die viel Leid ertragen müssen, während nur ein schwacher und bald verblassender Schimmer des unsterblichen Ruhmes ihres Lehrers auf ihren dunklen Weg fällt.
Артуръ Шницлѳръ.
Arthur Schnitzler.