Textqualität

Diese Abschrift wurde noch nicht ausreichend mit dem Original abgeglichen. Sie sollte derzeit nicht – oder nur durch eigenen Abgleich mit dem Faksimile, falls vorliegend – als Zitatvorlage dienen.

Überlieferung

Druck 1
–sch [= Ludwig Basch]: Eine Begegnung mit Dr. Artur Schnitzler. Was der Dichter des »Reigen« sagt. In: Illustrirtes Wiener Extrablatt, Jg. 50, Nr. 42, Abendausgabe, 12. 2. 1921, S. 1.
Druck 2
Alfred Pfoser, Kristina Pfoser-Schewig, Gerhard Renner: Schnitzlers »Reigen«. Zehn Dialoge und ihre Skandalgeschichte. Analysen und Dokumente. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag 1993, 1. Der Skandal, S. 335–336.

Erwähnte Entitäten

Institutionen
Orte

Zitieren

Empfohlene Zitierweise
–sch [= Ludwig Basch]: Eine Begegnung mit Dr. Artur Schnitzler, 12. 2. 1921. In: Arthur Schnitzler: »Das Zeitlose ist von kürzester Dauer«. Interviews, Meinungen, Proteste. Hg. Martin Anton Müller. Digitale Edition, 2024, https://schnitzler-interviews.acdh.oeaw.ac.at/I042.html (Abfrage 13. 7. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Textnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »I042«.

Wikipedia-Vorlage
{{Internetquelle |url=https://schnitzler-interviews.acdh.oeaw.ac.at/I042.html |titel=–sch [= Ludwig Basch]: Eine Begegnung mit Dr. Artur Schnitzler, 12. 2. 1921 |werk=Arthur Schnitzler: „Das Zeitlose ist von kürzester Dauer“ |hrsg=Martin Anton Müller |sprache=de |datum=1921-02-12 |abruf=2026-07-13 }}

Chronik

Samstag, 12. 2. 1921

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Kulturveranstaltungen
Schnitzler – S. Fischer
Kino

Schnitzler geht ins Kino, 12. Februar 1921

Quelle: »A. ist manchmal wie ein kleines Kind«. Clara Katharina Pollaczek und Arthur Schnitzler gehen ins Kino. Herausgegeben von Stephan Kurz und Michael Rohrwasser unter Mitarbeit von Daniel Schopper. Wien, Köln, Weimar: Böhlau Verlag 2012.

Kalliope Verbundkatalog
Weiteres

–sch [= Ludwig Basch]: Eine Begegnung mit Dr. Artur Schnitzler, 12. 2. 1921

Eine Begegnung mit Dr. Artur Schnitzler.
Was der Dichter des »Reigen« sagt
Heute Morgen hatte einer unserer Redakteure während eines Spazierganges im Währinger Cottage eine Begegnung mit Artur Schnitzler. Der vielumstrittene Dichter des »Reigen« rief: »Um Gotteswillen – kein Interview! Begleiten Sie mich in das Deutsche Volkstheater. Unterwegs wollen wir plaudern.«
Unser Vertreter machte den Dichter aufmerksam, es würde zur Beseitigung mancher Mißverständnisse beitragen, wenn einige autoritative Mitteilungen von berufener Seite – also vom Dichter selbst – erfolgten.
Dr. Schnitzler überlegte lange; dann sagte er: Ob »Reigen« auf die Bühne gehört, darüber kann man, darf man diskutieren – aus ästhetischen und dramaturgischen Gründen. Daß aber durch die Aufführung meines Werkes die Sittlichkeit verletzt wird – das ist ein Standpunkt, über den ernsthaft zu reden keine Möglichkeit besteht.
Es wäre vielleicht eine Möglichkeit darüber zu sprechen, wenn dieses – angeblich – beleidigte Sittlichkeitsgefühl auch bei anderen Gelegenheiten sich zeigen würde oder gezeigt hätte und zum mindesten den gleichen Anlaß zum Einschreiten geboten hätte.
Sache einer klugen, taktvollen Inszenierung ist es, auf der Bühne alles was anstößig wirken könnte, zu vermeiden, zu beseitigen.
Nun hat sich die Spielleitung in den Wiener Kammerspielen großen Taktes befleißigt. Kein Mensch wird die diskrete Inszenierung in den Kammerspielen leugnen können. Auch in Berlin, München, Leipzig und Hamburg, überall wo »Reigen« gespielt wurde, haben die Regisseure und die Schauspieler volle Diskretion gewahrt.
Es gibt Leute, die in aller Ehrlichkeit »Reigen« für unerlaubt halten, die aus innerer Ueberzeugung heraus mein Werk ablehnen. Ich achte diese Ueberzeugung, wie ich jede Ueberzeugung respektiere. Aber ich glaube nicht, daß die Leute zu den aufrichtigen Menschen gehören, die aus einer ästhetisch-dramaturgischen Frage, ein – Politikum machen.
Unser Vertreter wollte wissen, ob bei den weiteren Aufführungen von »Reigen« Striche vorgenommen werden.
Der Dichter antwortete in energischem Tone: »Nachdem ich mich einmal zur Aufführung entschlossen habe, wird nichts gestrichen. Keine Szene wird weggelassen und von einer Zurückziehung ist keine Rede. Gegen Regieänderungen habe ich indes nichts einzuwenden.«
Das Gespräch berührte auch die Entstehung des »Reigen«. »Die Dialoge wurden vor achtzehn Jahren geschrieben, sie sind ein Jugendwerk.«
Beim Abschiede sagte der Dichter: »Sie möchten noch einiges über die weitere Entwicklung der Angelegenheit erfahren? Lesen Sie meinen »Professor Bernhardi«!
Unser Vertreter: Meinen Sie, weil auch dort aus einer nichtpolitischen Angelegenheit ein Politikum gemacht wird?
Schnitzler: Und der Professor arbeitet weiter.  –sch.